


Assam zählt zu den schönsten Bundesstaaten des indischen Subkontinents. Wo Tiger, Panzernashörner und Elefanten durch die tropischen Wälder streifen, ist die Natur großteils noch in Ordnung.
Doch eines der aufregendsten Naturschauspiele bieten nicht die Großtiere, sondern Bienen: Assam ist die Heimat der Riesenhonigbiene, die gewaltige, von Zweigen hängende Nester auf Bäumen baut. Mit ihrer Körpergröße von rund 35 Millimetern unterscheiden sie die Riesenhonigbienen von Assam kaum von unserer heimischen Biene. Der Name bezieht sich vielmehr auf ihre Nester, die bis zu zwei Meter breit und drei Meter hoch werden und sowohl auf Bäumen wie auch im hohen Elefantengras, auf Felsen und Gebäuden angelegt werden. Dabei beherbergt ein einziges Nest zwischen 80.000 und 100.000 Bienen. „Magic Trees“ werden die Bäume von den Einwohnern genannt und stellen eine wichtige Einnahmequelle dar. Die „Honeyhunters“ klettern zu den Waben, vertreiben die Bienen mit rauch und schneiden bis zu 60 Kilogramm Honig aus den Nestern. Rund 50 Prozent des in Indien erhältlichen Honigs werden auf diese Art und Weise geerntet. Im Dorf Moswar („Mo“ steht für Biene, es ist also „Das Dorf der Biene“) genießen die Bäume und mit ihnen die Waben gar den Status eines Heiligtums, und die Hindus im Ort feiern ein eigenes Bienenfest.
Österreichische Wissenschafter, unter der Leitung von Dr. Gerald Kastberger, betreiben in Zusammenarbeit mit einer indischen Universität ein großes Forschungsprojekt, um das Verhalten dieser Insekten näher zu studieren. Der preisgekrönte britische Naturfilmer Paul Reddish hat die österreichischen Forscher und die Riesenhonigbienen auf ihrer jährlichen Wanderung von den Hängen des Himalaja in die Ebenen von Assam begleitet. Der Österreicher Wolfgang Thaler, der bei dem renommierten Banff Television Festival für seine Kameraarbeit für den "Universum"-Film "Bienen - Ein Leben für die Königin" ausgezeichnet wurde, beobachtete mit Hilfe von extremen Aufnahmetechniken einen dieser Bienenbäume, auf dem Dutzende Bienennester hängen.

