


Wie isst Europa? Das mehrfach preisgekrönte Serienformat „Der Geschmack Europas“ bietet Antworten auf diese Frage und begibt sich auf kulturkulinarische Landvermessung unseres Kontinents. Die Vielseitigkeit Europas ist nicht einfach zu ergründen, denn auf kleinstem Platz sind die verschiedensten Sprachen, Menschen und Kulturen zu finden. Auf jeden Fall muss man sich auf eine Reise begeben - lesend oder wandernd, am besten aber auch essend und trinkend. Denn auf diesem Streifzug durch das Land und seine heimischen Küchen entdeckt man so manches über die Geschichte und Kultur Europas.
Die Portrairehe erkundet die kulinarischen Kulturen unseres Kontinents und unternimmt eindrucksvolle Streifzüge durch europäische Regionen und ihre Küchen, die geschichtliche, landschaftliche, geografische und kulturelle Hintergründe einfließen lässt. In den kulinarischen Reisereportagen kredenzt Präsentator Lojze Wieser, Gastrosoph, Autor und Verleger, fremde und vertraute Gerichte der europäischen Speisetafel. Mit außergewöhnlichen Menschen, die tief verwurzelt sind mit der jeweiligen Region, spricht er über genau diese und ihre Besonderheiten, er erforscht kulturgeschichtliche Hintergründe und würzt mit Anekdoten und dem Wissen eines leidenschaftlichen Hobbykochs und weitgereisten Feinschmeckers. Gehaltvolle Reiseberichte, in denen es um gewachsene Traditionen und um die Weitergabe des Feuers geht.
Folge 10 - DAS KÄRNTNER GAILTAL
Diesmal geht es ins Kärntner Gailtal, einer Gegend, die vom Durchzug der Menschen und von der Nähe anderer Kulturen gekennzeichnet ist. Nah an der Grenze zum Kanaltal vereinigen sich auf den Gailtaler Almen die Zubereitungsmethoden des Gailtaler Specks und des Gailtaler Almkäses, deren Besonderheit nicht einmal die Kriegswirren vor 100 Jahren unterbrechen konnten. Dass Gebirgsketten zwar Länder, aber nicht regionale und kulturelle Zusammengehörigkeit trennen können, zeigt sich unter anderem in den Cjalzons - der italienischen Variante der Kärntner Kasnudeln, auch Gailtaler Krapfen genannt. Auch das Slowenische, oft auch als "Windisch" benannt, ist im Tal lebendig und in Bräuchen, Traditionen und Speisen präsent.
Das Tal mit zwei Namen, Zilja im Slowenischen, zu Deutsch Gail - fußend auf illyrischen, lateinischen und altslowenischen Ableitungen -, begeistert mit seiner weitgehend intakten Natur. Ingeborg Bachmann nannte das Tal gar einen "Zauberatlas". Die Region hat durchaus auch schräge Vögel hervorgebracht, Querdenker, Wissenschafter, Grammatiker, Poeten und Künstler, die ihre Kreativität aus dieser jahrhundertelangen Reibung schöpfen. Lojze Wieser trifft auf seiner Reise auf Menschen, die das Sterbende, das Abgeschobene und fast Vergessene mit Kenntnis alter Erfahrungen wiederbeleben. Er begleitet Noriker-Pferde in den Wald, um Holz zu schleifen, kostet auf der Alm von der wohl einzigartigen Gailtaler Frigga, beobachtet die Fischer in der Gail, probiert die besten Rohziegenkäse und lernt selbstverständlich auch, worauf es beim "Krendeln" der Kärntner Nudel ankommt.
ZUM NACHKOCHEN
KARTOFFELFRIGGA MIT POLENTABEILAGE
Rezept von Brunhilde Sagmeister, Stranig-Alm
Ein gutes Stück Original Gailtaler Speck (Bauch/Karree) wird gewürfelt und in der Pfanne glasig gedünstet. In der Zwischenzeit werden gekochte Kartoffeln in Scheiben geschnitten.
Fein gehackter Zwiebel wird in Schmalz goldgelb angebraten und Apfelscheiben von zwei Äpfeln mitgeröstet. Danach gibt man die Kartoffelscheiben dazu, zerstampft diese grob und röstet die Mischung unter fleißigem Rühren weiter.
Gailtaler Almkäse wird nun grob gerieben und auf die Kartoffel-Apfel-Zwiebelmasse gestreut, die Masse gut angedrückt und zugedeckt. Wenn der Käse Fäden zieht alles umdrehen und auf der zweiten Seite ebenfalls anbraten.
Als Beilage feine Polenta in kochendes Wasser einrühren (Verhältnis 3 Teile Wasser, 1 Teil Polenta), überflüssiges Schmalz von der Frigga dazu gießen und mit Butter verfeinern, Polenta einige Minuten - max. 10 Minuten - ziehen lassen. (Grobe Polenta benötigt bis zu 30 Minuten.)
Die Polenta mit einer Schöpfkelle zu einer Halbkugel formen und auf einem Holzteller mit einem Stück Frigga servieren.

