


Turbulente und herrlich politisch unkorrekte deutsch-türkische Geschichten um vier Paare, vier Probleme und zwei Hochzeiten. Liebe im Multikulti-Milieu, nicht gerade die einfachste Übung. Da kann rund um dieses Berliner Hochhaus so mancher ein Lied von singen. Aber nichts ist unmöglich in Sinan Akkus Komödie, die kein Fettnäpfchen auslässt und mit allen Vorurteilen spielt. Ob Türke, Kurde oder Deutscher, jeder muss Lehrgeld zahlen.
Die romantische Komödie "Evet, ich will!" erzählt von Berliner Paaren, die mit allerlei emotionalen und kulturellen Widrigkeiten zu kämpfen haben. Da wäre der junge Türke Emrah, der einen Weg finden muss, um seinen Eltern beizubringen, dass er einen (deutschen) Mann liebt – denn seine Familie plant bereits kräftig seine Vermählung mit einer jungen Türkin. Dann ist da der Deutsche Dirk, der die Türkin Özlem heiraten möchte. Für Özlems Eltern kein Problem, doch unglücklicherweise halten Dirks Öko-Liberale Eltern grundsätzlich nichts vom Heiraten – und dass ihr Filius vor der Ehe zum Islam konvertieren soll, geht ihnen bei aller Liberalität dann doch gegen den Strich. Ähnliche Probleme hat der Kurde Coskun: Der Vater seiner Auserwählten Günay stellt sich einer Trauung in den Weg, da er sich eher die Hand abhacken würde, als seine frei erzogene Tochter einem Mann mit gläubiger Familie zur Frau zu geben. Der Türke Salih will hingegen gar nicht heiraten, sondern sorgt sich vor allem um seine auslaufende Aufenthaltsgenehmigung, sehr zum Unmut seiner Familie, die ihn endlich "unter die Haube" bringen möchte. Auch die schüchterne Steuerfachgehilfin Sülbiye ist mit 38 noch Single – bis sie durch Zufall gleich mehrfach auf ihren Traummann trifft.
Ausgezeichnet mit dem "Prädikat besonders wertvoll" von der FBW - Deutsche Film- und Medienbewertung, die dazu schreibt: " In dieser herzlichen, deutsch-türkischen Komödie geht es hoch her: Eine ganze Reihe von multikulturellen Paaren möchte sich trauen lassen, doch der Weg bis zum Altar scheint verstellt durch generationsbedingte, religiöse und fremdenfeindliche Blockaden. Dies bringt nicht nur das Radiomoderatoren-Pärchen oder die beiden noch nicht geouteten Schwulen in so manche brenzlige und urkomische Situation. Evet, ich will! schafft es auf ganz leichte und amüsante Weise ein Kaleidoskop der Kulturen und alltäglichen Problemstellungen mit einem kunterbunten Ensemble aufzuzeigen, ohne darüber die verschiedenen Konflikte überspielen zu wollen. Und am Ende steht die eigentlich so einfache Lösung: „All you need is love!“
Sehr amüsant, teilweise stark ironisierend und mit deftiger Situationskomik angereichert, wurden die einzelnen Episoden mit präziser Montage geschickt miteinander verbunden. Eingebracht ist viel Lebenserfahrung aus unterschiedlichen Kulturen ohne in Klischees zu verfallen. Man erfährt viel von Traditionen und Moral. Letztere in der Not und um die Familienbande wieder zu kitten auch mit einem gehörigen Schuss Doppelmoral. Auch politische Seitenhiebe, wie der EU- Beitrittswunsch der Türken, der ewige Konflikt zwischen Kurden und Türken oder zwischen Christen und Muslimen scheut der Film nicht mit einer gehörigen Portion Aberwitz. Die eingeschlagene Gratwanderung besteht der Film mit Bravour. Alle Rollen sind typgerecht besetzt und in ihrem Spiel überzeugend. Ein besonderes Lob gilt dem Set-Design, das eine gelungene Ausstattung mit schönen Details vorgab, und auch der immer angemessenen musikalischen Begleitung. Alles in allem eine handwerklich solide Erstlingsregie."

