


Sarah macht es ihrer Umwelt nicht leicht: Wenn die Gefühle der jungen Frau hochkochen – zum Beispiel weil die mit dem besten Freund verbrachte Nacht nicht in einem Frühstück und der großen Liebe mündet – gibt es kein Halten, da fliegt auch mal der Laptop aus dem Fenster. Auf der Suche nach Liebe und einem selbstbestimmten Leben verprellt sie ihre Freunde, zofft sich mit ihrem Vater und setzt eine aufkeimende Beziehung in einer Kurzschlussreaktion gleich wieder aufs Spiel. Im stetigen Kampf scheint sie sich selbst im Weg zu stehen, auf der suche nach Geborgenheit. Umgeben von Filmfiguren, so launisch und vielgesichtig wie die Stadt Berlin: das Abschlepp-Makeup und das Kuscheltier bleiben gleichermaßen in Reichweite, Partynächte, die im Kater enden, stehen neben einsamer Idylle am See, albernen Werbeaktionen in der Stadt und unbeholfenen Liebesgeständnisse auf der Tagesordnung. Wie vielen Menschen geht es ähnlich wie Sarah und was bedeutet Menschenwürde wirklich?
KOMMENTAR REGISSEUR
Sarah ist laut, unangepasst, taktlos, ehrlich und provokant. Sie wirkt unverwundbar, doch der Schein trügt. Sarah ist einsam.
Ab und an trifft man auf Menschen, an denen man wächst. Für mich war Sarah so eine Person.
Nach drei Jahren Sehnsucht, Herzschmerz und Liebeskummer ist dieser Film ein Liebeserklärung an alle lauten, impulsiven und fordernden Menschen, die ihre Fehler und Macken offen und mutig nach außen tragen.
Mein erster Spielfilm ist ein handgemachter Improvisationsfilm ohne echtes Budget oder Filmförderung. Als Grundlage diente das "Sehr gute Filme"-Manifest von Axel Ranisch, dessen Ruf ich gerne gefolgt bin.
Mit viel Herz, Leidenschaft und einem sechsseitigen Drehbuch, wurde „Liebe Mich!“ innerhalb von zehn Tagen in Berlin abgedreht. Das Team hinter der Kamera war nie größer als drei Personen, wodurch eine große Ruhe und Flexibilität am Set möglich war. Merkten wir beim Drehen, dass eine Szene wie im Buch beschrieben nicht funktionierte, suchten wir gemeinsam nach einer Lösung. Diese Arbeitsweise empfand ich als sehr befreiend. Natürlich funktionierte das nur so gut, weil meine wunderbaren Schauspieler bereit waren, sich auf dieses Experiment einzulassen.
Am Ende kostete der Film 4000€. Ich bin jetzt pleite, konnte dafür aber meinen persönlichen Seelenfrieden mit der „echten" Sarah finden. Billiger als ein Psychiater. Leider werden Filme noch nicht von der Krankenkasse gefördert.

