


Kann man die Welt wieder mit staunenden Augen betrachten? Der Dichter und Philosoph Friedrich von Hardenberg (1772–1801), bekannt als Novalis, war überzeugt, dass sich hinter dem Vertrauten mehr verbirgt, als wir auf den ersten Blick erkennen. Sein Wunsch, die Welt zu „romantisieren“, bedeutete nicht, die Wirklichkeit zu beschönigen. Vielmehr wollte er unseren Blick für das Geheimnisvolle im Alltäglichen öffnen.
In NOVALISLAND widmet sich Filmemacher Rüdiger Sünner diesem ungewöhnlichen Denker der Frühromantik und einer Vorstellung von Welt, die bis heute Fragen aufwirft: Was können wir wirklich wissen? Und was entgeht uns, wenn wir Natur, Menschen und den Kosmos ausschließlich aus einer Perspektive betrachten?
Für Novalis blieb das Leben ein Mysterium. Um ihm näherzukommen, wollte er unterschiedliche Formen der Erkenntnis miteinander verbinden. Neben der Wissenschaft hatten für ihn auch Poesie, Kunst, Mythologie und Religion ihren Platz. Statt diese Zugänge gegeneinander auszuspielen, suchte er nach einem umfassenderen Verständnis des Daseins.
Besonders aktuell erscheint dabei sein Verhältnis zur Natur. Novalis betrachtete sie nicht bloß als Gegenstand menschlicher Nutzung und Erforschung, sondern als lebendiges Gegenüber. Angesichts ökologischer Krisen lädt diese Haltung dazu ein, unsere Beziehung zu Pflanzen, Tieren und der Erde neu zu überdenken.
Rüdiger Sünners Dokumentarfilm eröffnet einen Zugang zu Novalis’ Gedankenwelt und zu einer Frage, die weit über die Romantik hinausreicht: Wie verändert sich unser Leben, wenn wir dem Bekannten wieder mit Neugier, Achtung und Offenheit begegnen? Ein Film über die Möglichkeiten des Staunens und über die Verbindung von Wissen, Dichtung und Natur.

